Die Reitkunst als Instrument der Selbstentwicklung
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W as wir heute in der Reitkunst vorfinden, kommt uns manchmal spärlich vor. Wir graben in den Quellen, die uns aus der Vergangenheit blieben, um ein winziges Detail zu finden, das uns in der Arbeit mit unseren Pferden unterstützen könnte. Dabei haben wir allein durch das Engagement aller Reiter zu allen Zeiten bereits einen riesigen Schatz vor der Nase liegen. Wir müssen heutzutage nicht tausende Kilometer zu renommierten Reitkunstakademien reisen, um den Schatz zu Gesicht zu bekommen. Wenn wir die Augen aufmachen, haben wir die Reitkunst in allen Facetten direkt vor der Nase. Wir können großartigen Seminaren in unserer Nähe beiwohnen, unseren Computer anschmeißen, online step by step lernen und spätestens, wenn wir es am eigenen Pferd erproben, bekommen wir direktes Feedback von unserem Vierbeiner. Die Voraussetzungen sind also bestens.

In der Reitkunst finden wir detaillierte Strukturen, an denen wir uns entlang hangeln können. Menschen, die sich dafür entschieden, die Reitkunst so lange wie möglich bewahren zu wollen, erarbeiteten Lektionen, Prüfungen, Netzwerke, die uns zur Orientierung dienen. Sie erarbeiteten verschiedenste Verfahren, wie die Bodenarbeit, Longenarbeit, Handarbeit oder die gerittene Arbeit, um weiteren Menschen das Lernen zu erleichtern. Diese ungemein wertvolle, ausgeklügelte Basis erlaubt es uns, überall in ihr Inspiration zu finden. Sie stellt uns eine Vielzahl von Ansatzpunkten bereit, um in der Reitkunst auf die Suche nach uns selbst zu gehen. Es ist wie eine Einladung. Ein jeder von uns kann mit Hilfe dieser Inspirationsmöglichkeiten einen Zugang zu sich selbst finden.

Deine Portion – Meine Portion

Genau das ist es, worum es geht. Es geht nicht darum, etwas richtig oder falsch zu machen. Es geht darum, einen Zugang zu sich, zum eigenen Geist, zum eigenen Körper, zur realistischen Selbsteinschätzung zu finden. Da heraus zeigen sich die nächsten Lernaufgaben von alleine. Es können 50 Zuschauer eines Reitkunstseminars ein Wochenende lang das selbe erleben, die selben Worte hören, die selben Pferd-Reiter-Paare sehen und doch die unterschiedlichsten Erkenntnisse mit nach Hause nehmen. Das, was Du für dich erkennst, ist nicht zwangsläufig das, was ich für mich erkenne. Ganz im Gegenteil sind die Chancen sogar groß, dass wir unterschiedliche Dinge erkennen, womöglich sogar gegenteilige. Entscheidend ist, dass weder Deine Erkenntnis noch meine Erkenntnis die bessere ist. Jede einzelne war für jeden einzelnen gedacht und damit genau richtig und wichtig.

Deine Reise ist deine Reise

Ob es die Pferde sind, mit deren Hilfe Du Dich entwickeln möchtest oder ob Du Dich durch irgendetwas Anderes entwickeln lassen möchtest, ist vollkommen irrelevant. Wichtig ist viel mehr, dass Du dich grundsätzlich dafür entscheidest, Dich entwickeln zu wollen. Niemand hat in der Hand, wie die eigene Entwicklung verläuft, aber jeder hat es in der Hand, sie mit Freuden und Neugier anzunehmen. So suche Dir ein Instrument, auf dem Du gerne spielst. Du musst nicht reiten, du kannst auch tanzen, singen, reisen, Golf spielen oder oder oder… Du hast die Wahl, dir dein Selbstentwicklungsinstrument auszusuchen. Und in dir weißt du, wozu Du dich hingezogen fühlst.

Mein Rat: Wenn Du es spielst, spiele es auch mit dem Herzen. Spiele es nicht, um andere zu beeindrucken. Spiele deine Noten, nicht die Noten anderer. Spiele es, um das Orchester zu unterstützen oder spiele es für dich allein, aber spiele es nicht, ohne es spielen zu wollen.
Ich wünsche Dir von Herzen viel Freude beim Musizieren.

Alles Liebe, Janna

„It’s your road, and yours alone.
others may walk it with you,
but no one can walk it for you.”

Rumi, persischer Dichter und Gelehrter (1207-1273)

Bildrechte: Andreas Thomsen

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