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M eine lieben Kollegen unter den Lesern dieses Textes werden es vielleicht kennen: Das Handy klingelt oder eine E-Mail erscheint im Postfach mit der Anfrage eines Pferdebesitzers, der Interesse an Unterstützung in der Ausbildung seines Pferdes hat. Man selbst freut sich darüber, dass ein weiterer Mensch den Weg zu einem gefunden hat und macht sich auf den Weg, um entsprechend Hilfe zu leisten. In einigen Fällen wird es bereits im ersten Telefonat oder in der ersten E-Mail deutlich, dass die Ausgangssituation nicht allzu rosig ist. Und dann nimmt das Ganze seinen Lauf. Nicht selten geschieht Folgendes: Ich komme zu einem neuen Reitschüler und bekomme als Begrüßung mindestens 20(!) Minuten lang zu hören, was alles in der Vergangenheit falsch lief, wie viele Trainer bereits nicht die richtige Lösung hatten, welche körperlichen und psychischen Schwierigkeiten das Pferd aufweist, und, dass es sich ja überhaupt und sowieso um ein ganz besonderes Problempferd handelt. In diesen Momenten braucht es häufig eine dreifache Portion meines ohnehin reichlich vorhandenen Optimismus, um aus dieser Flut von Negativ-Informationen die übriggebliebenen kleinen, positiven Funken herausfischen zu können.

Good vibes only

Egal, wie krank, verritten oder traumatisiert das Pferd ist, es lebt immerhin noch und hat eine weitere Chance verdient. Und egal, wie verzweifelt, untalentiert oder verunsichert der dazugehörige Reiter ist, er hat es immerhin geschafft, sich noch einmal nach einem neuen Trainer umzuschauen. Häufig wünscht sich der betreffende Mensch ausdrücklich Unterstützung, glaubt aber eigentlich selbst nicht daran. Er oder sie geht ohnehin schon davon aus, ein hoffnungsloser Fall zu sein. Und wenn nicht er selbst, dann zumindest das Pferd. Wundern würde es ihn nicht, wenn der neu hinzugezogene Trainer nach kurzer Zeit zu dem gleichen Ergebnis käme, wie die Trainer vor ihm. Traurig, wie sehr sich sein mit dunklen Farben gemaltes inneres Bild von seinem Pferd und sich selbst bereits im Außen manifestiert.

Wertschätzung

Sowohl der ratsuchende, unbeholfene, deprimierte Reitschüler als auch sein Pferd sind allerdings für mich als Ausbilderin allemal Grund genug, zu bleiben und einen guten Job zu machen. In solchen Momenten geht es nicht darum, darüber zu sprechen, was alles problematisch ist. Es geht darum, einen klaren, einfachen Weg aus der Abwärtsspirale aufzuzeigen. Ganz egal, ob dem Menschen in den anschließenden 45 Minuten Unterricht nicht ein einziges Lächeln über das Gesicht huscht, oder schlimmer noch, direkt die Tränen kullern: Diese Menschen brauchen meinen Rat am meisten. Es gilt, die Tragik der Situation in Leichtigkeit zu wandeln, ohne dass der Mensch sich und seine Empfindungen übergangen fühlt.

Dunkle Farben adé

Hör‘ auf die Probleme zu suchen und sie mit deinen Gedanken zu füttern, bis sie zu Gewohnheiten werden. Nimm‘ dir stattdessen einen Moment und registrier‘ einmal, wie schnell ein Gedanke in deinem Kopf den anderen ablöst. Könntest du aufschreiben, was du in den letzten 15 Minuten alles gedacht hast? Wieviele Seiten bräuchtest du? Hast du auch nur einen dieser Gedanken wirklich zu Ende gedacht? Oder war er nur kurz präsent bevor du ihn unter einem neuen Gedanken untergebuddelt hast? Denkst du eigentlich heute etwas anderes als gestern? Hast du dich aus deinen gestrigen Gedanken heraus weiterentwickelt? Was machst du alles gleichzeitig? Geh doch mal auf den Beobachterposten. Wie klar bist du? Wie sortiert bist du? Was verlangst du alles gleichzeitig von deinem Pferd? Konzentration, Auffassungsgabe, Formgebung, Balance, ein gleichbleibendes Tempo, eine ordentliche Linie, ein ruhiges Gemüt, gleichzeitig Arbeitseifer, etc.pp. Sonst noch was? Bietest du ihm gerade dasselbe?

Simplify your life!

Reiten ist einfach. Pferde auszubilden, ist einfach. Was mühsamer ist, ist, den Weg zu sich und zu seinem Pferd zu finden, wenn man meint, ihn nicht klar vor sich zu sehen. Aber dann, wenn man ihn wieder hat, gibt es keine Schwierigkeiten, nur großartige Übungen. Solche Übungen haben gute Ausbilder genug in petto. Pferdebesitzer, fragt uns um Hilfe. Wir Ausbilder sind für Euch da und nehmen Euch gerne an die Hand. Wir unterstützen Euch mit unseren Ideen, unserem Wissen und unserem Durchhaltevermögen. Dafür haben wir uns, jeder für sich alleine, irgendwann einmal entschieden. Es ist unser Bestreben, dafür zu sorgen, dass Euch und Euren Pferden das Miteinander wieder Spaß macht. Jemanden aus einer schwierigen Phase heraus auf einen stabilen, eigenständigen Weg gebracht zu haben, ist der wertvollste Lohn, den wir bekommen können und das größte Lob zugleich.

Alles Liebe, Janna

Fotorechte: Andreas Thomsen
Equipment: Zaum & Zeugs

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