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D er Himmel ist strahlend blau. Die Luft schmeckt leicht salzig. Der Baum über mir spendet Schatten. Ein paar Möwen und Schwalben kreisen über der wunderschönen Anlage des Camelot Resorts in Handewitt. Während ich mit meinen beiden Windhunden im Gras liege und nachdenke, schallt aus der großzügigen Reithalle leise, aber klar Ariens Stimme. Ganz schön weise Worte gab er von sich während unserer Unterhaltung vor ein paar Minuten. Gemeinsam saßen wir beim Mittagsessen mit Organisator Alex Zell und rund 30 weiteren Teilnehmern. Wie schön, dass man einander trifft, um sich auszutauschen.

„Stell dir vor, du arbeitest mit einem Pferd, das abgelenkt ist. Was tust du, um seinen Fokus auf dich zu richten?“ wollte ich von ihm wissen. „Ich suche ein Problem. Es gibt überall Probleme zu finden. Daran arbeite ich dann mit dem Pferd. Wenn ich kein Problem finde, baue ich eines. In der Arbeit am Problem lerne ich das Pferd kennen. Die Beziehung baut sich auf durch gemeinsam gelöste Probleme.“ Über die Parallele zu menschlichen Beziehungen musste an dieser Stelle wieder einmal schmunzeln.

Dann fragte ich: „Andersherum, was tust du, um deinen eigenen Fokus auf das Pferd zu richten, wenn du gerade nicht zu 100% bei der Sache bist?“ Arien lachte, überlegte kurz und antwortete daraufhin: „Die Frage ist schwieriger! Ich denke, ich habe gelernt, meine Gedanken in eine bestimmte Richtung zu lenken. Ich habe mich trainiert, Gefühle und Gedanken zu kontrollieren. Wenn ich für mich alleine bin, dann höre ich Musik, um mich herunterzufahren. Das kann ich am Pferd nicht. Aber Musik kann auch sehr helfen, wenn auf einem Kurs das Publikum droht, den Fokus zu verlieren. Eine kleine gemeinsame Musik- oder Tanzeinlage kann alle wieder aufwecken.“

Wenn man Arien beim Unterrichten beobachtet, fällt sein einfaches, positives Konzept schnell auf. Gespickt mit vielen Beispielen und Erfahrungsberichten, führen seine Erklärungen die Teilnehmer einfach an die Übungen zur feinen Kommunikation am Boden oder unter dem Reiter heran. Ruhig, eindeutig und humorvoll holt er mit einfachen Hilfestellungen jedes Pferd-Reiter-Paar dort ab, wo es steht. Seine aufrechte Haltung und ein guter Gebrauch seines Körpers erlauben es ihm, Instrumente wie Rope und Knotenhalfter differenziert und punktuell einzusetzen.

Das Leben leben

„Was lernst du von Pferden über Menschen?“, war eine weitere Frage von mir. „Ray Hunt hat einmal gesagt: Horses are a mirror of yourself. Und so ist es“, gab Arien sofort zurück. „Die Pferde und die Körpersprache der Menschen lassen mich in ihnen lesen. Manchmal sieht man dabei sogar mehr, als man sehen will“, führt der junge Horseman fort. „Das empfinde ich als Trainerin genau so, Arien“, antworte ich und frage nach: „Weist du die Menschen dann darauf hin? Oder hältst du dich lieber zurück?“ „Ich zeige den Menschen ihr Problem an ihrem Pferd. Wenn sie es lösen wollen, müssen sie eh an sich arbeiten. Und das Problem muss ja nicht an einem Tag gelöst werden. Ich helfe ihnen, einen Plan zu bauen, der so viel besser ist, als das Problem. Unser Job als Trainer ist es, die Menschen in die richtige Richtung zu schubsen. Wir alle müssen lernen: Am Ende ist das, was du mit deinem Pferd machst, mehr als ein Trick. Es hat zu tun damit, wie du dein Leben lebst.“

„Arien, ich bin mir sicher, du hättest dich trotz eines bekannten Horseman als Vater auch jederzeit für einen anderen Beruf entscheiden können. Nirgendwo steht geschrieben, dass man in die Fußstapfen seiner Eltern treten muss. Warum hast du dich entschieden, dein Leben den Pferden zu widmen? Was treibt dich an, mit Pferden und ihren Menschen zu arbeiten?“ „Für mich ist es wichtig, dass mein Leben etwas gebracht hat. Wenn ich mit Leuten und Pferden arbeite, bewirke ich Veränderungen. Manchmal kommen Leute in meinen Kurs und haben echte Probleme. Ich gebe ihnen einen Rat. Im nächsten Jahr kommen sie wieder und können so viele tolle Sachen mit ihrem Pferd. Es macht mich stolz, zu sagen, dass ich daran Teil gehabt hab. Ich liebe die Arbeit mit den Pferden. Wenn du nicht liebst, was du machst, bist du in der falschen Sache. Such dir was anderes. Das, was du um dich herum aufbaust, muss sich für dich richtig anfühlen. Und dann wirst du gut darin sein.“

Ariens Big Three

„Was sind für dich die drei wichtigsten Begriff in der Arbeit mit Pferden?“ wollte ich noch wissen. „Drei? Ich habe zwei: Balance und Respekt. Ohne dies kannst du nirgendwo hin. Aber damit kannst du überall hin. Egal, was du machst, es muss Balance haben. Je balancierter du bist, umso erfolgreicher kannst du sein. Wenn du unbedingt eine dritte Sache brauchst, dann glaube ich sind es Träume. Pferde brauchen Träume.“

Wie wahr, dachte ich. Und noch während wir über Dieses und Jenes weiter redeten, schlug ich eine neue Seite in meinem Notizbuch auf und schrieb: Was sind meine Träume? Und jetzt wisst ihr, über welche Frage ich unter dem Baum sitzend nachdenke. Inspiration ist unbezahlbar.
Danke, Arien, vielen Dank!

Bildrechte: Alex Zell

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