An Habanero

„Und wenn ich dich so sehe, seh ich all unsere guten Entscheidungen, alle spannenden Erkenntnisse, alle atemberaubenden Synchronizitäten und alle ungeahnten Möglichkeiten. Ich sehe dich und ich habe das Bestreben, die besten Ursachen für unsere Zukunft zu setzen.“

HABANERO CLXIII

Meine ersten Erfahrungen im Umgang mit den Hengsten Spaniens durfte ich im Alter von 15 Jahren sammeln. Von da an gab es keinen Tag, an dem sie nicht in meinem Pferdealltag oder zumindest in meinen Gedanken zu finden waren. Es war mein großes Glück, dass es in meiner Jugend nur 20 Kilometer entfernt einen Pferdebetrieb namens „Spanische Reitschule Kiel–Escuela Andaluz“ gab. Als Schülerin und Praktikantin ließ ich mich von diesen sonderbaren Wesen in ihren Bann ziehen. Mich faszinierte die Art und Weise, wie ihre Hufe den Boden berührten. Mich faszinierte das seidige Fell. Mich faszinierte die Kombination aus Feuer und Sanftmut. Wenn ich Zeit bei den Hengsten der Pura Raza Espanola verbrachte, fühlte ich mich auf eine seltsam neue Art Zuhause. Was ich dort als Jugendliche über die spanische und klassisch-barocke Reitweise erfuhr, konnte ich damals noch nicht auf meiner eigenen knapp 30 Jahre alten Ponystute anwenden. Und das war mir eine Lehre. Es zeigte mir deutlich auf, dass Reitausbildung, die auf ein jedes Pferd anwendbar ist, nicht so schnell zu erlernen ist. Mir dämmerte, dass ein sehr langer Weg vor mir lag, wenn ich denn tatsächlich zum Ziel hatte, die Facetten der Reitkunst zu ergründen. Und ja, das hatte ich. Ohne meine bewusste Zustimmung, war durch die spanischen Hengste in mir ein Funke entzündet worden und ich konnte mir nicht erlauben, ihn erlöschen zu lassen. Und ab ging die Post! Zahlreiche Praktika im Bereich der Reiterei, der Pferdeheilkunde oder der Zucht, der Beginn des Studiums der Veterinärmedizin an der TiHo Hannover und dann der Switch zum Studium der Pferdewirtschaftswissenschaften in Wageningen, Niederlande. Meine berufliche Orientierung in Richtung Pferd war in mir so verankert. Ich hätte beim besten Willen selbst gar nichts dagegen tun können. Allen Erfahrungen voran prägten mich die Jahre an der Seite von Marius Schneider am meisten. Das Glück, lange Zeit das Leben mit einem der besten Reitmeister unserer Zeit teilen zu dürfen, war mir vergönnt. Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich bin für alle Gespräche, Erfahrungen und Herausforderungen. Es war für mich eine Zeit aus dicht an dicht gepackten Eindrücken, so dicht, dass nicht ein weiterer dazwischen gepasst hätte. Zeitlich absolvierte ich mein Studium in den Niederlanden und wurde Stück für Stück fachmännisch vorbereitet darauf, mich selbst zu entfalten. Der innerliche Zug hin zu den Pferden Reiner Spanischer Rasse wurde all die Jahre hinweg nie leiser. Wenn ich mir heute bewusst mache, dass ich 15 Jahre lang gefühlt täglich alle möglichen deutsch-und spanischsprachigen Pferdeverkaufsanzeigen durchscrollte, um endlich irgendwann mein Match zu finden, dann wird mir klar, wie wählerisch ich all die Jahre war. Ich stöberte und sortierte und kann rückblickend sagen, dass all die Jahre hindurch mir nur sehr wenige Pferde wirklich mit dem „Ich bin dein Pferd“-Blick bis ins Herz schauten. Als Habanero schließlich eines Tages vor mir stand, hatte die Suche abrupt ein Ende. Wenn ich nun im Internet nach spanischen Pferden schaue, dann höchstens, um für ihn eine passende Stute zu finden. Habanero lässt mich jeden Tag fühlen, dass die Wahl eines Pferdes keine Trendentscheidung ist, sondern einer fetten Portion Präsenz und Introspektion bedarf. Ohne Habanero bereits zu kennen, navigierte sein Wesen mich all die Jahre durch alle mir gemachten Angebote bis hin zu unserem ersten Treffen. Ich bin meinem früheren Ich dankbar, auf seine Stimme aus der Zukunft gehört zu haben.


Copyright: Danke an @isabell_packeisen_fotografie


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